Begegnungsreisen - Deutschland 2010 - Reisebericht Danny Cadima

Text?Reisebricht Deutschland 2010

von Danny Cadima

Eine der Fragen an die ich mich erinnere, welche mir meine Freunde gestellt haben, als ich in die Pfadfinderbewegung in meinem Land eingetreten bin, war: "Ich verstehe nicht warum Du Pfadfinder sein möchtest? Sie werden Dir nichts geben und Du wirst nur Deine Zeit verlieren."

Tatsächlich erhält die Pfadfinderbewegung in Bolivien keinerlei finanzielle Unterstützung, weder vom Staat noch von anderen Organisationen. Die Pfadfinder in Bolivien müssen ihre finanziellen Belange zu 100% aus eigenen Mitteln lösen. Aber die erste Antwort, welche mir zu der Frage in den Kopf kam, war: "Um Freunde zu finden und ein Teil der weltweiten Pfadfinderbewegung sein zu können, welche darin besteht bessere Bürger auszubilden, um Teil einer besseren Welt zu sein."

Obwohl dieser Grund schon genug dafür gewesen ist, den Pfadfindern beizutreten, hätte ich mir nie vorgestellt einmal die Möglichkeit zu bekommen eine wunderschöne Reise zu unternehmen und eine neue Welt und die in ihr lebenden Freunde kennen zu lernen.

Alles begann am 07. Mai 2010 als meine Person und dreizehn weitere Mitglieder des Distrito Scout Cochabamba (DSC- Pfadfinderdistrikt Cochabamba) den Flug von Aerosur nach Madrid/Spanien nahmen, um dort später für den Anschlussflug nach Frankfurt am Main/Deutschland umzusteigen. Niemand hatte sich vorgestellt, dass wir einen Tag länger am Madrider Flughafen verbringen müssten aufgrund der Aschenwolke des Vulkans auf Island. Für uns war dies nur ein weiteres Abenteuer. Schließlich erreichten wir mit einem Tag Verspätung den Frankfurter Flughafen. Ich war sehr bewegt, weil ich nun unsere Gastgeber kennen lernen, meine Freunde Vera, Kurt und Maurice, welche vor zwei Jahren in Bolivien gewesen sind, wieder sehen, Vanessa eine Freundin aus Bolivien und mich mit Johannes, einem langjährigen Freund wieder treffen würde.

Wir kamen am Flughafen an und der Empfang war sehr herzlich. Alle waren sehr achtsam mit uns und ich glaube auch sie waren sehr beweckt und glücklich, genauso wie wir. Nach den Begrüßungen und Umarmungen fuhren wir gemeinsam nach Heddert dem Trierer DPSG-Diözesanzentrum, welches von da ab unsere Unterkunft sein sollte und welches ich am Ende der Begegnungsreise als mein zweites zu Hause betrachtete.

Mir fehlen die Worte zu beschreiben wie schön dieses Land Deutschland ist, aber mit Sicherheit wisst Ihr das selbst. Wenn ich aber beschreiben würde, wie sehr ich von der Geschichte und Kultur dieses so wunderschönen Landes überrascht gewesen bin, aber noch mehr überrascht von dem herzlichen Umgang, welchen mir die Menschen entgegen brachten, so wurde dadurch, dass die Menschen dich so behandeln wie sie es mit uns in Deutschland getan haben, die Reise noch angenehmer.

Nachdem wir uns in Heddert eingerichtet hatten, begannen wir damit Trier und die Einrichtungen der DPSG kennen zu lernen, und auch die Leute, welche dort arbeiten. Wir lernten den Trier Dom und verschiedene touristische Bereiche wie die Porta Negra kennen. Ein paar Tage später ging es los nach Berlin und, wirklich, ich war sehr bewegt davon eine Stadt mit soviel Geschichte zu besuchen. Dort hatte wir die Möglichkeit das Holocaust Mahnmal für die ermordeten Juden Europas zu besichtigen; wir bekamen einen über- (Unter-) blick von Berlin: begonnen mit den Bunkeranlagen des Zweiten Weltkrieges (ein sehr beeindruckender Ort), den Einrichtungen der Stasi, der Besichtigung des erst kürzlich geschlossenen Flughafens von Berlin und vieler anderer Orte. Natürlich haben auch wir die Reste von der Berliner Mauer gesehen. Nach fünf Tagen in Berlin fuhren wir zurück nach Heddert.

Am nächsten Tag fuhren wir mit unseren Besichtigungen fort und bei dieser Gelegenheit besuchten wir Luxemburg und die Dillinger Hütte, eine immense Stahlgießerei, vielleicht die größte der Welt. Es gab nicht einen Tag an welchem wir nicht von dem Fortschritt und der Schönheit dieses Landes überrascht waren.

Mein erster Besuch in Bingerbrück:
Am Morgen kamen Maurice und Johannes nach Heddert und wir fuhren gemeinsam nach Bingerbrück. Meine Pfadfinderfreunde erwarteten mich mit einem Grillen am Pfadfinderheim des Dorfes, wo ich Dominik, Kathi, Jens und viele andere kennen lernte. Alle waren sehr herzlich mit mir und ich hatte einen schönen Abend. Am nächsten Tag fuhren wir, der ganze Stamm, auf Stammeslager ins Brexbachtal, und ich war erstaunt von der Vielzahl der Pfadfinder, welche dort an dem großen Lager teilnahmen. Dies war eine unvergessliche Erfahrung. Das Beste war, dass ich dort den größten Teil meines Partnerstammes aus Deutschland kennen lernen konnte: die Jungpfadfinder Espen, Martin, Stefan, Victoria, Katharina; die Pfadfinder Marvin, Mario, Hendrik, Mathias; die Rover Jens, Nils, Philipp und die Leiter Dominik, Maurice, Kurt, Vera, Kathi. Ich bin sehr dankbar mit ihnen allen für die Möglichkeit sie kennen gelernt haben zu dürfen und ich hoffe wir sehen uns bald wieder. DANKE CHICOS VON HERZEN!!!!

Zurück nach Heddert, um mit dem Programm fortzufahren, war eine der Besichtigungen, welche mir am Meisten gefallen hat, der Besuch der Opelwerke in Rüsselsheim. Sie erschienen mir wie eine andere Stadt. Später fuhren wir nach Mainz die Johannes Gutenberg-Universität besichtigen und im Anschluss nach Koblenz.

Ein paar Tage später hatte ich die Möglichkeit nach Bingerbrück zurück zu kehren. Dieses mal um den Ort und seine Menschen kennen zu lernen und natürlich die Familie Woog, welche mein Gastgeber war. Ich glaube Ihr dürft stolz sein auf die Region in der Ihr lebt, weil sie für mich ohne Zweifel die schönste Deutschlands ist: mit einem wunderschönen Tal durch welches einer der wichtigsten Flüsse Europas, der Rhein, fließt, umgeben von wunderschöner Architektur unzähliger Burgen, welche sich am Fluss aufreihen.

Danksagung:
Ich sage dank dem DSC (Distrito Scout Cochabamba) und der DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg) für die Möglichkeit ein so wunderbares und unterschiedliches Land im Vergleich zu dem meinen kennen gelernt haben zu dürfen. Danke an meine Pfadfinderbrüder, welche die Begegnungsreise organisiert haben. Danke an Bingerbrück und seine Menschen, welche ich auf eine Art und Weise kennen lernen durfte, ohne mich als Fremder zu fühlen. Danke an die Mitglieder meines Partnerstammes St. Rupertus Bingerbrück mich als Teil ihres Stammes und ihres Lebens während meines Aufenthaltes in Bingerbrück aufgenommen zu haben. An meine Freunde Vera, Kurt und Maurice für ihre Gastfreundschaft und dafür, dass sie sich um mich gekümmert haben. Danke an die Familie Woog: Carl, Ingrid, Mirjam und Michael für die Unterbringung. An Vanessa, welche mich die Wärme meiner Heimat hat spüren lassen und an meinen großartigen Freund Johannes Woog, welcher mich Teil seiner Familie hat sein lassen.

GRACIAS!!!!!

Danny Cadima